Passion für außergewöhnliche Holzschönheiten

Ich schnitze weder Kochlöffel, noch Kuckucksuhren oder Herrgottsfiguren. Die Anfertigung von Nutzgegenständen für Haushalt oder Garten liegt mir fern. Bei mir kann man weder hölzerne Spielzeugeisenbahnen noch Laubsägearbeiten in Auftrag geben.
Meine Passion beginnt damit, dass mir bei Streifzügen durch die Natur ein Stück Holz auffällt. Es kann ein seltsam gewundener Ast, ein wunderliches Wurzelwerk, eine Partie Hirnholz aus dem Innern eines vom Blitz niedergestreckten Baumes sein. Immer wieder beeindruckt mich, wie virtuos Holz wachsen kann. Auch die Maserung interessiert mich, die Rinde, die Statur besonders alter Bäume.
Wenn ich damit beginne, ein Stück Holz zu bearbeiten, denke ich darüber nach, was daraus werden könnte. Ich folge keiner festen Absicht. Mein Ziel ist ungewiss. Mir schwebt eine Richtung vor, alles andere ergibt sich. Manchmal greife ich eine Idee auf, merke aber, dass es so nicht geht. Dann heißt es: mein Gegenüber abermals gründlich betrachten, sich Zeit nehmen, abwarten. Bis mir einleuchtet, wie ich mich korrigieren könnte. Es geht darum, die innewohnende Schönheit und individuelle Gestalt eines Holzes offenzulegen.


Faszination Rosmarin

Uralte Exemplare mit armdicken Stämmen und bizarr verdrehten Wurzeln interessieren mich am meisten. Solche Monumente eines jahrzehntelangen Wachstums finde ich in den erodierten Landschaften der andalusischen Provinz Almería. An seltenen Glückstagen gelingt es, ein solches Monument aus Geröll oder lockerem Boden herauszulösen. Nach einem lauten Jubilieren meinerseits beginnen die Vorarbeiten: Faulholz entfernen, störende Äste absägen, Rinde vorsichtig ablösen, Kanten und Spitzen mit der Feile glätten.
Sichtbar wird: Das Holz neigt zu zopfartigem Wuchs; verflochtene Stränge sind zu erkennen. Geradezu virtuos präsentieren sich die Wurzeln. Sie erkühnen sich zu Verdrehungen, Verknotungen, Auf- und Abschwüngen, Krümmungen, Verwirrungen. Wenn ich das Monument lange genug betrachte, wird mir klarer, wie ich es verschlanken sollte, um die allerkühnsten Bewegungen freizulegen und die natürliche Pracht des Holzes zum Vorschein zu bringen.


Meine Lieblingshölzer

Rosmarin Steineiche Edelkastanie Hainbuche Buchsbaum Johannisbrot Efeu Walnuss Weihrauchwacholder Kirsche Schopflavendel