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Kollektion 2016

Experimente mit neuen Materialien

„Jetzt vergreift er sich auch noch an Gebeinen!“
Widerrede: „Manche Knochen, die ich in der Wildnis Andalusiens finde, sehen wie Schmuckstücke aus. Archaische Formen, Urzeit-Relikte. Gliedmaßen eines Amuletts? Jeder Schamane, jeder Indianerhäuptling würde mit ihnen seine Prunkmontur verzieren. Den Kollegen sei es gegönnt. Mich locken andere Verwendungen.
Gereinigt, koloriert, auf Draht gezogen und meinen Absichten unterworfen nehmen die Knochen eine neue Gestalt an. Ihre Herkunft (von Schafen, Ziegen, Füchsen, Wildschweinen) tritt in den Hintergrund. Nach Vollendung meiner Knochenarbeit erscheinen animalische Kauze mit Seltenheitswert. Hier ein prähistorisches Flugsubjekt, dort eine ausgerottete Bestie oder ein mythisches Reptil.
Wer diese Persönlichkeiten betrachtet, kann sich vorstellen, wie sie aus dem Habitat der Fantasie ausgebrochen sind und sich nun zur Schau stellen. Möge eines Tages meinen eigenen Knochen ein vergleichbarer Karrieresprung beschieden sein.“

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Wurzelholz provoziert Gestaltungsfreude

Was Bäume unter der Erde anstellen, bekommt man selten zu sehen. Natürlich: Sie wurzeln; flach mit Tendenz zur Ausbreitung oder auf tiefe Verankerung im Boden bedacht. Ein Hang rutscht ab, entwurzelte Bäume rutschen mit; oder ein Sturm bringt den Baum mitsamt der unterirdischen Anteile zum Stürzen. Nun wird das Lebenswerk der Wurzel ersichtlich. Der Betrachter staunt über virtuose Verflechtungen, zerklüftete Holzlandschaften, hartleibige Blöcke.
Wenn ich im Wurzelholz einer alten Eiche Spalten und Furchen von morschen Partien befreit, Vertiefungen ausgeschabt, Kanten, Spitzen, Rundungen betont, schließlich sämtliche Eigenarten des Wachstums zum Vorschein gebracht habe, hat mein Gegenüber eine veränderte Identität angenommen. Es sieht mit einem Mal wie auf die Grundfesten seiner Persönlichkeit reduziert aus. Ich erkenne Merkmale, die mir gefallen; die erhalten, sogar verstärkt werden sollten. Andere erscheinen mir entbehrlich. Oder? Nur keine zu frühen Festlegungen.
Ab jetzt lasse ich jede Vermutung zu, in welche Richtung ich die Bearbeitung treiben könnte. Vor allem Wurzelholz von Stiel- und Traubeneichen fordert meine Gestaltungsfreude heraus. Auch bei alten Olivenbäumen ist das so. Beispiele gefällig?



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Schräge Typen aus Metall

Was geht hier vor? Warum sehen die Figuren so verdreht, verrenkt, verbogen aus? Proben hier Coronarguppen einer Rehaklinik alternative Durchblutungsübungen? Gewährt uns die Fachhochschule für kreative Selbstdarstellung einen Blick auf die Meisterschüler? Sind dies Zurschausteller, Traumtänzer?
Unübersehbar jedenfalls, wie jeder seine Trance maximal individuell zelebriert. Jeder ein Derwisch, Verwandlungskünstler, Virtuose des sich Aufspielens. Der Exzentriker hat sich in sich selbst verliebt und möchte dies kundtun. Dabei ist er nur ein Obsttortenboden. Nichts weiter als Blech, das ich verbogen, gestaucht, verzerrt, schließlich koloriert und als Ensemble angeordnet habe.


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